Leserbrief zum Kommentar «Fasnacht ist ein öffentlich genehmigter Egotrip»
- Luca Boog

- 6. März 2025
- 2 Min. Lesezeit
Selten war ich so uneinig mit einem Kommentar, wie bei der Meinung von Susanne Holz zur Fasnacht in der LZ-Ausgabe vom 06.03.2025. Und erstaunt bin ich, dass die Luzerner Zeitung einer Journalistin eine halbe Seite zur Verfügung stellt, um im Grundsatz an unserer Tradition und gelebten Brauchtum zu rütteln.
Doch warum störe ich mich an diesem Kommentar? Weil ich als aktiver Fasnächtler und Guggen-Musikant einen vertieften Einblick hinter das Schaffen der Fasnächtler erhalte. Wenn eine Journalistin dieser Zeitung unsere gelebte Tradition einfach als «Lärm und öffentliches Saufgelage» abstempelt, dann habe ich damit sehr grosse Mühe! Denn es wird keiner Art und Weise dem gerecht, was es in der Realität ist. Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie viel unzählige Stunden Basteln, Nähen, Dekorieren, Proben, Reime schreiben, Mottowagen bauen, Freiwilligenarbeit und Herzblut hinter dem Luzerner Kulturgut schlechthin stecken. Und zwar von Weggis bis nach Wikon und von Marbach bis Aesch. Die Fasnacht ist nicht einfach eine Woche «Tumult», wie es im Kommentar geschildert wurde. Sie hält die Gesellschaft zusammen, fördert das Vereins- und Milizwesen und ist für viele Personen auch Seelenreinigung. Zudem ist sie ein wichtiger Bestandteil unserer Herkunft und Kultur. Sie macht unseren Kanton schlichtweg einzigartig.
Das im Kommentar quasi verlangt wird, das Luzerner Fastnachtstreiben in Hallen und geschlossene Räume zu versorgen, gibt der ganzen Aussage die Sahne auf die Haube. Sind wir wirklich so weit, dass wir unsere Traditionen und Bräuche verstecken und unter den Deckel halten müssen? Vielmehr müssen wir in der zunehmend anonymer und globalisierten Welt solche Bräuche pflegen. Von einem «öffentlich genehmigten Egotrip» zu sprechen ist aus meiner Sicht grenzwertig. Denn selten vereint eine Tradition so viele Menschen, aus so vielen Schichten und Generationen, wie das unsere Lozärner Fasnacht macht. Und gerade in Zeiten von weltpolitischen Spannungen und einer zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung, tut uns eine Woche Zusammenhalt und Seelenreinigung sehr gut.
Luca Boog, Beromünster
Kantonsrat und Parteisekretär Die Mitte Kanton Luzern








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